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Letztes Update:
7. April 2020 - 10:47

Verschneite Schätze aus dem „(Ge-) Heimkino“

Die Filmemacher Gerald Grote und Claus Oppermann zeigen mit ihrem Film „Schnee von gestern“ den privaten Blick auf die Schneekatastrophe vor 30 Jahren.

„Das ist das größte Archiv dokumentarischer Filme, aber auch das verborgenste“, sagt Gerald Grote über das „(Ge-) Heimkino“, die Schmalfilmschätze, die in den Schränken schleswig-holsteinischer Hobbyfilmer schlummern. Zusammen mit dem Kameramann und Filmemacher Claus Oppermann hat der Kieler Autor und Filmemacher diese Schätze gehoben: „Schnee von gestern – Der private Blick auf die Schneekatastrophe 1978/79“.



Schon für ihren Film „8mm Kieler Woche“ zum 125. Jubiläum der Kieler Woche hatten Grote und Oppermann auf das Super-8-Material von Amateurfilmern zurückgegriffen. Das Thema für „Schnee von gestern“ wurde ihnen dabei schon mitgeliefert, denn mehrere Hobbyfilmer hatten beim Durchforsten ihrer Filmrollen auch Bilder von der Schneekatastrophe 1978/79 gefunden, die sie den beiden gleich mit anboten. In diesen Tagen jährt sich das Schneechaos, in dem Schleswig-Holstein in den letzten Tagen des Jahres 1978 und noch einmal im Februar 1979 versank, zum 30. Mal. Das war aber nur der Anlass für den Film, bei dem es Grote und Oppermann weniger um eine Dokumentation zur Schneekatastrophe geht, als den privaten, authentischen Blick der Schmalfilmer zu zeigen.



120 Rückmeldungen erhielten die Filmemacher seit Anfang des Jahres, nachdem sie unter anderem auch in den „Kieler Nachrichten“ zu Einsendung von Filmmaterial aufgerufen hatten: „30 Stunden Material von Flensburg bis Itzehoe, von 20 Sekunden bis zu 15 Minuten“, erzählt Oppermann, der besonders erstaunt war über die technische Qualität der Filme „mit Super-8-Charme“. Bewusst zeigen Grote und Oppermann das Material weitgehend unverfälscht, „ohne Farbkorrekturen, höchstens mal mit einer leichten, kaum merklichen Zeitlupe, um die Länge etwas zu dehnen und allzu wacklige Schwenks zu beruhigen“. Hobbyfilmer sind keine geschulten Kameraleute, aber umso persönlicher ist ihr Blick, dem man das authentische Staunen beim Schwenk über „die Arktis in Schleswig-Holstein“ anmerkt, und den wollten Grote und Oppermann erhalten. Um das unwiederbringliche Originalmaterial zu schonen und auch vor Verlusten auf dem Postwege zu schützen, holten die beiden Filmemacher es nicht nur persönlich bei den Hobbyfilmern ab, sondern ließen es auch komplett digitalisieren – trotz der nicht unerheblichen Kosten, die, abgesehen von 10.000 Euro, die die beiden Schmalfilmenthusiasten aus der eigenen Tasche bezahlten, aus Fördermitteln der Filmwerkstatt Kiel der Filmförderung Hamburg Schleswig-Holstein, der Volksbanken und Raiffeisenbanken und der Stadt Kiel aufgebracht wurden.



„In einigen Sichtungsexzessen“ ordneten Grote und Oppermann dann das Material thematisch und chronologisch. Die Dramaturgie des 55-minütigen Films ergab sich dabei quasi automatisch, „denn eine gute Geschichte erzählt sich aus sich selbst“, so Grote. Zudem interviewten sie einige Hobbyfilmer nicht nur zu ihren Erlebnissen, „als der Nordpol plötzlich vor der Haustür lag“, sondern auch zu den Beweggründen und Bedingungen beim Dreh. So ist nicht nur ein spannender Film über ein außergewöhnliches Klimaereignis und seine Folgen entstanden, sondern auch ein Film über das Filmen selbst. (jm)



Filmpremiere am Sa, 6.12., 18.30 Uhr im metro-Kino im Schlosshof, Kiel. Weitere Aufführungen ab 25.12., jeweils 18 Uhr, am 28.12. in Anwesenheit der Filmemacher. Am 7.1. in der Eckernförder Stadthalle. Die DVD „Schnee von gestern“ ist für 9,99 Euro im Buchhandel erhältlich. Man kann sie aber auch direkt bei den Autoren bestellen. Entweder im Internet unter www.8mm-kino.de oder telefonisch bei Gerald Grote (0431-3868566) oder Claus Oppermann (0171-6111548).