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Letztes Update:
18. Oktober 2017 - 12:15

Die philosophische Lochlösung schlechthin

„Löcher im Kopf oder www.betreuteLoecher.de reloaded“ (Helmut Schulzeck, Maria Debora Wolf, D 2014)


Der erst auf den zweiten Blick erkennbare Wahnsinn der Lochforscherin (Maria Debora Wolf) war eigentlich schon 2002 perfekt, als Helmut Schulzeck und Maria Debora Wolf das Mockumentary „www.betreuteLoecher.de“ (übrigens einer der ersten Kieler Kurzfilme, der cross-medial auch das Netz einbezog – unter www.betreuteLoecher.de) drehten. Manche nahmen damals die Satire, in der eine Lochforscherin, ausgehend vom damaligen Baustellenloch am Kieler Hauptbahnhof, in Berlin und im Wattenmeer weitere „Gottesplanlöcher – GPLs“ als Objekte ihrer künstlerischen (oder doch nur wahnsinnigen) Betreuung entdeckte, sogar ernst und mokierten sich darüber, wie man denn eine offenbar „Verrückte“ „so bloßstellen“ könne.

Doch das war Helmut Schulzeck und seiner Darstellerin und Ideengeberin für diese schräge Rolle, Maria Debora Wolf, noch nicht genug. 2003 drehten sie in Kiel und Berlin Material für ein Sequel. Lange lag solches unbearbeitet herum, jetzt endlich bringt Schulzeck diese „Lochlösung schlechthin“, so die Lochforscherin im Film treffend über den Film, auf die Leinwand. Ob das nach elf Jahren noch Sinn macht, darf man sich fragen, jedenfalls gibt es dem Unsinn um das Loch, das Nichts, nochmal eifrigst die Sporen.


„Loch ist nicht Loch“ – Lochforscherin Maria Debora Wolf (Still aus dem Film)
War der erste Film mit 15 Minuten halb so lang wie die erneute Locherforschung, ist letztere zwar um einiges zu lang (manche Szene könnte man ohne Verlust, vielleicht sogar mit Gewinn für die Stringenz der Filmerzählung, streichen), aber auch umso kurzweiliger. Als hätte die Protagonistin noch weiter an ihrem nur auf den ersten Blick irrsinnigen Konzept, dem Phänomen Loch auf die Spur zu kommen, gefeilt, ist „Löcher im Kopf“ neben allem offensichtlich komödiantischen „neben der Spur Sein“ geradezu philosophisch. Nicht nur durch den Gastauftritt Prof. Dr. Dieter Merschs, seinerzeit (2003) Intendant des Forums der Muthesius Kunsthochschule, der durchaus ernsthaft philosophische Definitionen des Nichts/Lochs referiert und damit zeigt, dass man sich auf der Suche nach dem Nichts/Loch gerade für den Unsinn öffnen muss.

Und vielleicht ist genau das die Aussage beider Löcher-Filme: Dem Nichts kommt man nur bei, wenn man sich auf dessen (Un-) Sinn – und den des Seins an sich – einlässt. Wie die Lochforscherin, die ihre Lochbetreuung am Ende ins absurd Religiöse steigert. Dass man den Wahnsinn erlaubt, um zum Sinn zu finden. Insofern ist „Löcher im Kopf“ nicht nur eine witzige Satire, sondern in solcher „Lochlösung schlechthin“ ein sehr beredt philosophischer Film über ein löchriges „Dazwischen“, das sich nur zwischen den Zeilen der Filmbilder lesen lässt. (gls)

„Löcher im Kopf oder www.betreuteLoecher.de reloaded“, D 2014, 29 Min., MiniDV 4:3. Buch & Regie: Helmut Schulzeck, Maria-Debora Wolf, Kamera & Ton: Helmut Schulzeck, Schnitt: Joe Bakerman. Musik: Svend-Roland Kock, Oliver Klein, Produktion: ElektronikKlumpenProduktion, Helmut Schulzeck. Mit: Maria Debora Wolf, Bernd Fiedler, Prof. Dr. Dieter Mersch, Daniel Krönke, Silke Brodersen, Janosch Krol, ögyr (Jörg Meyer). Mit freundlicher Unterstützung der Filmwerkstatt Kiel. Infos und Trailer hier.

Der Film feiert seine Kiel-Premiere am 25.11.2014, 20.30 Uhr im Kieler Kino in der Pumpe im Rahmen des Kurzfilmprogramms „Löcher & andere Leerstellen“, wo auch „www.betreuteLoecher.de“ noch einmal zu sehen ist.