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Letztes Update:
24. Januar 2022 - 13:39

59. Nordische Filmtage Lübeck 2017

„Zu sehen, was es gibt, und zu besprechen, was es braucht” – 30 Jahre Filmforum Schleswig-Holstein / Filmforum

Es begann ganz bescheiden 1988 mit einem Filmforum Schleswig-Holstein, das noch nicht „richtig” zum offiziellen Programm der Nordischen Filmtage Lübeck gehörte, aber immerhin fand man die Formulierung „Filmforum Schleswig-Holstein im Rahmen der Nordischen Filmtage Lübeck”, unter der das Filmforum die ersten Jahre firmierte, veranstaltet vom Zentrum (in der Mengstraße) bzw. dem Jugendamt der Hansestadt Lübeck.



Umschlagseiten des "Kataloges" zum 1. Filmforum Schleswig-Holstein (1988)
Das Zentrum galt zu dieser Zeit schon längst neben den Nordischen Filmtagen als das „Domizil für Cineasten” der Travestadt und machte nicht nur durch das dort beheimatete Kommunale Kino in Sachen Film von sich reden. Die dort angestellte Linde Fröhlich war nicht zuletzt durch ihre Tätigkeiten in der LAG Film im Lande bestens vernetzt und sollte 1989 zu den Gründungsmitgliedern (und auch lange Zeit zu den Vorstandsmitgliedern) der Kulturellen Filmförderung Schleswig-Holstein e.V. gehören. Sie initiierte das Filmforum SH und wurde dessen erste Leiterin. Im Vorwort des ersten kleinen Kataloges weist sie unter anderem auf die Bedeutung des Filmforums für die schon laufende Diskussion um eine Landesfilmförderung hin, die schließlich im Herbst 1989 in die Gründung des Vereins Kulturelle Filmförderung SH mündete:

„In diesem Sinne ist das Filmforum Schleswig-Holstein auch eine Bestandsaufnahme. Wie wollen hier nicht nur die ’Highlights’ präsentieren, sondern die Breite der filmischen Bemühungen dokumentieren. (...) Aber selbst in diesem Programm können wir nicht alles zeigen, sondern lediglich einen gewissen Einblick in das Filmschaffen dieses Landes gewähren. Dabei sind professionelle Produktionen ebenso vertreten wie Nachwuchsarbeiten. (...) Selbst die ’großen’ Filme des Programms sind eigentlich ’low budget’-Produktionen. Ihr Entstehen verdanken sie Förderungsinstanzen außerhalb des Landes. (...)

Somit will das Filmforum Schleswig-Holstein auch den visuellen Hintergrund und die kommunikativen Vorrausetzungen für die Filmförderdiskussion im Lande bieten. Es soll FilmemacherInnen, Publikum und politisch Verantwortlichen Gelegenheit geben, miteinander in Kontakt zu treten, zu sehen, was es gibt, und zu besprechen, was es braucht.”

Wie diese Bemühungen der „Lübecker” (wie man damals z.B. die hanseatischen Filmleute auf den LAG-Filmnachwuchstagungen auf dem Scheersberg zu titulieren pflegte) und vieler anderer fruchteten, zeigen ein paar Jahre später die launigen, von starker Sympathie getragenen Bemerkungen der damaligen Leiterin der Nordischen Filmtage, Andrea Kunsemüller, in einer Broschüre, welche die erfolgreichen ersten drei Jahre der Kulturellen Filmförderung in Lande bilanziert. Sie sind es wert, hier noch einmal in voller Länge wiedergegeben zu werden, nicht zuletzt auch, um zu erinnern, welchen besonderen Stellenwert das Filmforum Schleswig-Holstein (!) und damit auch die Nordischen Filmtage den Filmen aus Schleswig-Holstein beimaßen.

3 Jahre Kulturelle Filmförderung aus der Perspektive der Nordischen Filmtage Lübeck


WOHIN GEHT’S?

Schnipsel 1
Mitunter erinnert die Kulturelle Filmförderung an afrikanische Clans. Auch dort wird eine Sache so lange diskutiert, bis auch der Letzte von der Richtigkeit der Entscheidung überzeugt ist. Ein urdemokratisches Prinzip, das aller Ehren wert ist. In Afrika sagt man, die Sache sei leider nicht mehr zeitgemäß – man müsse zu anderen Strukturen kommen, um in einem größeren Ganzen bestehen zu können. Das Schöne an Schleswig-Holstein ist, dass es diese Probleme nicht hat. Außerdem: die Leute müssen irgendwann nach Hause, weil das flache Land so weit ist. Irgendwann stellt sich die Einigkeit von selber ein. Oder wird vertagt.

Schnipsel 2
Ich kann mich noch sehr gut an die Anfänge der Filmarbeit in Schleswig-Holstein erinnern. Es gab einige Verstreute, es gab einige Unentwegte, es gab einige Freie. Es gab wissenschaftliche Filme, Bildungsfilme, und es gab wenig Aufmüpfiges. Es gab die LAG. Das war’s.

Heute gibt’s die Filmwerkstatt, die summt und brummt, einen Bernd-Günther Nahm, von dem man nicht weiß, ob er es ironisch meint oder nicht; einen unentwegten Unterwegs-Koordinator, ein hilfsbereites Filmbüro, eine Konsolidierung nach drei Jahren Aufbauarbeit in Sachen Kulturelle Filmförderung – eine gute Basisstruktur. Und die eine oder andere Überraschung in Sachen Nachwuchs. Schade, daß die Begabten irgendwann verschwinden. Man kann sie einfach nicht anbinden. Aber man kann sie wieder holen.

Schnipsel 3
„Filmforum Schleswig-Holstein im Rahmen der Nordischen Filmtage Lübeck”. Eine merkwürdige Wortkonstruktion. Die Nordischen Filmtage will ich, kann ich nicht ohne die Filme von Schleswig-Holstein denken. Das wäre wie irgendwo im luftleeren Raum schwimmen. Ohne Widerstand (ach, wie schön!), aber auch ohne Anhaltspunkt. Gut, man kann nicht gegen einen Oscar oder die Goldene Palme anstinken (von denen es ja auch nur ganz wenige gibt), aber weiß Gott, wir müssen uns doch nicht verstecken! Die anderen kochen auch nur mit Wasser. Allerdings international mit englischen Untertiteln. Warum sollen wir das nicht auch machen können? Die Nordischen Filmtage bieten ein so gutes Forum für schleswig-holsteinische Filme! Gebe Gott oder an wen auch immer die Politiker glauben, daß der Kultursenator bald ein Einsehen hat und den Beginn der Nordischen Filmtage auf den Donnerstag verlegt statt ihn wie bisher auf den Freitag zu setzen, wo alles schon einen Tag läuft und wir mittendrin im Festival sind. Dann wäre auch das Filmforum Schleswig-Holstein nicht nur „im Rahmen der ...”!!!

Aperçu
Husum ist toll. Eine schöne Stadt. Und überhaupt: wer sollte sich sonst an der Westküste um Filme und Regionales kümmern?
Andrea Kunsemüller, 1993

(Helmut Schulzeck)