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Filmkultur Schleswig-Holstein e.V.



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Letztes Update:
10. Dezember 2019 - 09:11

Vereinheitlichung

Ein Interview mit Helge Albers, Geschäftsführer der Filmförderung Hamburg Schleswig-Holstein (FFHSH), über die Strukturveränderung der Filmwerkstatt Kiel der FFHSH und der dort angesiedelten Filmförderung


infomedia-sh.org / Helmut Schulzeck:
Herr Albers, der schleswig-holsteinische Arm der Filmförderung Hamburg Schleswig-Holstein (FFHSH) wird neu aufgestellt. Was ist der Grund für diese Neuausrichtung und was das Ziel?

Helge Albers / FFHSH:
Als ich die Leitung der Filmförderung übernommen habe, musste ich erst einmal eine Bestandsaufnahme machen, gucken wie sie funktioniert, wie die Organisationsstruktur ist, und so weiter. Eine Sache wurde dabei relativ schnell klar: Dort agieren zwei verschiedene Einheiten unter dem Dach von einer Filmförderung. Und aus meiner Sicht macht das wenig Sinn. Die Filmförderung Hamburg Schleswig-Holstein ist eine Gesellschaft, und insofern muss man auch so unter dem Dach einer Gesellschaft agieren.

Nichts weiter ist erst einmal der Grund dafür, dass wir versuchen, die Abläufe, die Organisationsstrukturen innerhalb der Förderung näher zusammenzubringen, die Kommunikationsstrukturen innerhalb der Firma zu verbessern. Bisher liefen die Prozesse relativ autark, und das wollen wir ändern. Entweder ist eine Fusion gewollt gewesen oder sie ist nicht gewollt. Der politische Wille war und ist sehr klar, dass die Filmförderungen fusionieren und einen Standort bilden. Und insofern wollen wir einfach besser zusammen wachsen. Damit schließen wir einen Prozess ab, der vor relativ langer Zeit angestoßen wurde und jetzt auch mit einem guten Spirit zusammengeht. Ich merke bei den Kollegen und Kolleginnen am Standort Kiel, dass das gerade viel Energie frei setzt. Das wird sehr positiv aufgenommen.


Helge Albers (Foto: FFHSH)
Das sind jetzt die Abläufe, die praktisch vereinheitlicht werden?

Genau. Filmförderung hat ja sehr viel Struktur, die im Hintergrund passiert. Also die vertraglichen Geschichten, die bisher komplett separat gestaltet worden sind. Wir haben eine Förderung und zwei separate Antragsabwicklungen. Wir haben eine Förderung und zwei unterschiedliche Kommunikationsstrukturen, teilweise sehr unterschiedliche EDV-Lösungen usw. Das halte ich für keinen Zustand, der besonders erstrebenswert ist innerhalb einer Organisation, und daran würde ich gerne arbeiten.

Die Filmförderungen sind ja praktisch in einer Art Nebeneffekt zusammen gekommen. Die Zusammenlegung der beiden Landesmedienanstalten aus Hamburg und Schleswig-Holstein war eine politische Idee. Da beide Landesmedienanstalten direkt und indirekt die Filmförderungen finanziell unterstützten, zog man daraus die Konsequenz, auch die Filmförderungen zu fusionieren. Das schien logisch zu sein. Das eine folgte aus dem anderen.
Aber, dass es unterschiedlichen Strukturen in den beiden Standorten gibt, hat meiner Meinung nach seinen Grund darin, dass Hamburg eine Filmwirtschaft hat, also somit eine Infrastruktur, die total professionell ist, sowie Filmhochschulen, ein großes Filmfest und so weiter. Alles ist also komplett da, während Schleswig-Holsteins Filmförderungsarm eher eine reine Kulturförderung mit seinen Subventionen betreibt. Wir haben hier so gut wie keine Filmwirtschaft. Und wenn sich manche Leute darüber beschweren, dass man das Land hauptsächlich nur als Kulisse nutzt, dann halt ich diese Klage für müßig. Denn man muss das nutzen, was da ist. Es gibt hier eben reichlich schöne und spannende Kulissen, Vorzüge der Provinz. Wie stehen Sie dazu? Und die hiesige Fördersumme ist ja im Grunde marginal für Hamburg.

Jeder Filmstandort bildet immer ein Spektrum von Filmschaffen ab. Zu sagen, dass Hamburg nur Filmwirtschaft ist, das halte ich für falsch. Ich nehme Hamburg sehr stark als filmkulturell geprägten Standort wahr, der auch im Kurzfilmbereich, im Low-Budget-Bereich, im Kunstfilmbereich absolute Stärken und dadurch sehr wohl Überschneidungen mit Schleswig-Holstein hat. Ich finde, dass sich die schleswig-holsteinischen Filmemacher und -macherinnen qualitativ messen können mit dem, was ich in Hamburg in diesem Segment sehe. Das, was ich auch sehe ist, dass das kommerzielle Segment in Schleswig-Holstein schwächer vertreten ist. Da gibt es am Standort wenig Player, die im klassisch kommerziellen Filmbereich angesiedelt sind.
Die Schlussforderung daraus, dass man den schleswig-holsteinischen Machern und Macherinnen weniger zutraut, halte ich für falsch. Ich traue denen eine ganze Menge zu.

Soweit ich weiß, ist ja eine Änderung der „Kieler“ Projektförderung vorgesehen. Nun wollte ich Sie fragen, wie diese Modifizierung aussehen wird, soweit Sie das jetzt überhaupt schon sagen können.

Wir sind dabei, zu überlegen, wie wir die beiden Standorte sinnvoller miteinander verknüpfen. Wie wir das inhaltlich aufstellen, ist in Diskussion. Für uns ist klar, dass wir dem Standort Schleswig-Holstein eher mehr Gewicht als weniger Gewicht beimessen wollen.

Wie ist denn Ihre Ansicht dazu, dass man die Leute mitnehmen sollte? Denn wenn intern alles geklärt ist, dann ist es ja auch schon entschieden.

Änderungen an unserer Förderstruktur sollten natürlich im Einklang mit unserer regionalen Branche entstehen. Generell versuche ich gerade auf ganz vielen Ebenen einen Austausch herzustellen und ein Gefühl dafür zu entwickeln: Wie tickt der Standort? Wer sind die Leute, die Lust haben, nach vorne zu gehen, die sich für die Perspektive des Standorts interessieren? Welche Themen sind hier wichtig? Das habe ich schon gemacht, zum Beispiel bei meinen Branchen-Speeddatings oder bei den Nordischen Filmtagen in Lübeck und mache es auch weiterhin. Das fließt natürlich ein in unsere Arbeit.

Es gibt ja gerade rund um und in Kiel so eine Subkultur von sehr vielen Filmern, die im Low-Budget-Bereich Spielfilme, Dokumentationen, Genreparodien machen, die einen Teil des Equipment aus der Filmwerkstatt beziehen, was für sie auch ganz wichtig ist, die aber keine Förderung beantragen. Die haben so viel Manpower und Womanpower, dass sie das einfach aus eigener Kraft stemmen. Kommen die auch bei Ihnen vor?

Die Filmwerkstatt wird weiterhin die Ausrüstung behalten, die sie hat. Und der Zugang zum Equipment wird sich nicht ändern. Beim Thema Neuanschaffungen muss man sich ein wenig in die Zukunft orientieren und schauen, in wie weit der digitale Wandel in den Herstellungsprozess eingreift und wir womöglich an anderen Stellen gefragt sind als früher.

Und dass man diese Leute inhaltlich noch mehr einbindet? Dass man auf sie zugeht, dass man sie sozusagen lockt und ihre Wünsche mehr beachten kann, weil man ihre Wünsche kennt?

Wenn die Filmschaffenden zu uns kommen, um ihr Material zu holen, bringt es einen ja auch immer in einen Kontakt. Der Kontakt zur Branche ist mir generell sehr wichtig, ich sehe aber auch, dass das über die Filmwerkstatt, über Arne Sommer und sein Team sehr gut funktioniert. Ihr Wissen und ihre Kenntnis vom Standort sind eine wichtige Unterstützung für mich.

Wie stehen Sie zu dem Rückzug der Filmwerkstatt Kiel aus dem Filmfest Schleswig-Holstein?

Das ist natürlich ein großes Thema bei uns. Das Filmfest, so wie ich es kennen gelernt habe, ist mit sehr viel Liebe und Engagement entstanden. Aber es war gleichzeitig auch eine recht überschaubare Veranstaltung, die eine Sichtbarkeit verdient hätte, die dem Potenzial am Standort entspricht. Durch das Andocken an die Filmwerkstatt – mit all ihren Aufgaben – sind die Wachstumsmöglichkeiten des Filmfestes schon von vorneherein gedeckelt. Ich denke, dass die Entwicklungschancen für das Festival außerhalb der Filmwerkstatt besser sind als innerhalb. Das ist genau der Grund, warum ich den ‚Rückzug‘ der Filmförderung für richtig halte. Ich sehe es auch nicht als Rückzug, sondern als strukturellen Umbau.
Die Deckelung bei der Filmwerkstatt liegt in den Kapazitäten, die sie in die Organisation des Filmfestes einbringen kann. Wir müssen uns schon entscheiden. Wenn wir sagen, dass wir dem Standort auf der Förderseite mehr Gewicht beimessen wollen, dann muss man sich darüber im Klaren sein, dass das Kapazitäten bindet, auch in der Filmwerkstatt. Und ich glaube, dass das Filmfest eine bessere Entwicklungsmöglichkeit hat, wenn wir uns daran finanziell beteiligen und mit den Mitteln unterstützen, die wir haben. Projektförderung, das ist unser Kerngeschäft. An dem Punkt sind wir hilfreicher, als wenn wir uns in die Organisation des Filmfestes einklinken.
Klar ist der Wechsel, den es beim Filmfest nun gibt, eine Herausforderung – vor allem für das ehrenamtliche Team um den Filmkultur-Verein. Aber im Grunde kann schon morgen Geld abgerufen werden, und dann kann’s losgehen. Und man kann die Struktur, die man fürs Festival als richtig erachtet, dann so einbauen, dass das Filmfest langfristig wachstumsfähig ist. Darin liegt eine große Chance.

Für die Filmwerkstatt Kiel ist ja nun geplant, sich mehr auf das Kerngeschäft zu konzentrieren, und zu dem zählen Sie auch die Weiterbildung.

Das halte ich für einen wichtigen Punkt.
Wir leben in einer Zeit, in der es ständig Veränderungen gibt. Wir sehen, wie dynamisch sich technische Prozesse in der Filmherstellung entwickeln, wie unterschiedliche Finanzierungswelten sich entwickeln, wie die Auswertungswelten konvergieren, wie die Formen sich überschneiden. Das sind alles Prozesse, die jeder Filmschaffende, der aktiv ist, sich immer wieder neu erarbeiten muss. Das ist permanentes Lernen, ein Status, in dem wir uns alle befinden in dieser Branche – und Weiterbildung gehört einfach dazu. Ich glaube in der Tat, dass wir ein ganz guter Anlaufpunkt wären.
Da ist die Filmwerkstatt Kiel noch mehr gefragt als der Standort Hamburg. Dort holen wir auch immer wieder Expertinnen und Experten von außen dazu. Wir denken, dass die Filmwerkstatt in der Lage sein sollte, selbst Weiterbildungen anzubieten und damit auch auf dem aktuellsten Stand zu sein. Es ist ja schon einiges von der Filmwerkstatt in dieser Hinsicht geleistet worden, wenn ich an die Darstellung der aktuellen Berufsbilder denke.
Prinzipiell bin ich ein großer Freund von Weiterbildungsmaßnahmen. Ich glaube, dass der Zweck von Förderung auch sein muss, Zugänge zu schaffen, Teilhabe zu ermöglichen. Das betrifft die regionale Weiterbildung genauso wie die Weiterbildung im europäischen Kontext.

(Das Interview mit Helge Albers führte Helmut Schulzeck)