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Letztes Update:
16. Dezember 2018 - 18:01

Das Meer sehen, erleben – dann handeln

Cinemare eröffnete nicht nur als Meeresfilmfestival, sondern will auch (öko-) politisch eingreifen


„Wenn man das Meer im Film erlebt, dann kommt das Handeln für seinen Erhalt von selbst“, weiß Daniel Opitz, Meeresfilmemacher, „Wal-Flüsterer“ und Mitgründer der Ocean Mind Foundation sowie des International Ocean Filmfestivals Cinemare, das am Mittwoch seine dritte Runde im Ratssaal eröffnete. Naturfilm „in seiner Königsklasse Meeresfilm“ könne Bewusstsein schaffen für den Lebensraum Meer, aus dem letztlich alles Leben und damit auch wir selbst stammen.

Mehr als 60 Filme über und rund um das Meer sind noch bis zum Sonntag in Kieler Kinos zu sehen, kuratiert von Korina Gutsche und Festivalleiter Till Dietsche. Das Meer und seine Be- und Anwohner sollen dabei als ein schützenswerter und nachhaltig zu bewahrender Lebensraum dargestellt und dem Publikum nahegebracht werden. Cinemare will das Meer nicht nur zeigen und im Film erlebbar machen, sondern aus solcher Einsicht auch zum politischen Engagement gegen seine Ausbeutung und Zerstörung aufrufen.


Unter dem Schutz von Meeresgott Neptun (Norbert Aust, rechts) unterzeichnen Ana Blanco und Till Dietsche die Meeresfilmfestival-Partnerschaft Kiel / San Francisco. (Foto: Johanna Jannsen)
Dafür tun sich jetzt zwei Städte und Meeresfilmfestivals – gleichsam global denkend, lokal handelnd – zusammen. Ana Blanco vom International Ocean Filmfestival in Kiels neuer Partnerstadt San Francisco und Till Dietsche für das Kieler Cinemare unterzeichneten bei der Eröffnung eine Festivalpartnerschaft, die beide Städte im filmischen Engagement für das Meer, ganz nah an ihren jeweiligen Küsten, verbindet – „über die Golden Gate Bridge wie die Hörn-Brücke“, so Till Dietsche in seinem Grußwort augenzwinkernd.

Für Kiel kommt das gerade recht, denn von der Förde- und Marinestadt nahm vor genau 100 Jahren die Novemberrevolution 1918 ihren Ausgang. Bei Cinemare wird das in Kai Zimmers Kurzfilm „Revolution 18“ (über das Tagebuch des Kieler Werft-Ingenieurs Nicolaus Andersen) und in der Welturaufführung des Arte/NDR-Dokudramas „1918 – Aufstand der Matrosen“ (Sonnabend, 27.10.2018 im Metro-Kino) reflektiert. Das Meer löste schon immer (R-) Evolutionen unseres Lebens aus, aber wir „revoltieren“ es auch, wälzen es um.

Zum Beispiel durch den fortwährenden Eintrag von Plastikmüll, Geisternetzen und Mikroplastik-Partikeln, wie bei der Eröffnung die Doku „Plastik in jeder Welle – Surfen in der Müllhalde Meer“ (Sebastian Bellwinkel und Christopher Braun) bestürzend beweist.


„Plastik in jeder Welle – Surfen in der Müllhalde Meer“ – Kite-Surfer Mario Rodwald wurde beim Surfen vor allem von Plastikmüll begleitet. (Foto: NDR/Sebastian Bellwinkel)
„The Last Lamentation“, ein One-Shot von Valentina Medda zeigt in betenden Figuren am Meer eindrucksvoll die Trauer, die wir empfinden müssten, wenn wir das Meer, unsere Lebensgrundlage, verheeren. Der Film stammt wie auch Gor Margaryans und Achim Kirschs (Muthesius Kunsthochschule) an die Kuppel der Rathaus-Rotunde projizierte Video-Installation aus der von Katja Vedder kuratierten Video-Kunst-Sektion des Festivals.

Die Filme daraus fassen das politische Meeresthema poetisch auf. Denn bei allem notwendigen politischen Engagement ist das Meer zuweilen auch „nur“ Kulisse für ein romantisches „Date op de Diek“: Lara Pansegraus Kurzspielfilm über eine aufkeimende Liebe am Nordseestrand und Deich ist so herrlich dröge norddeutsch und slapstickend erzählt, dass man das Meer nochmal ganz anders erlebt – nachfolgende (Liebes-) Handlung eingeschlossen. (jm)


Romanze am Deich – Still aus „Date op de Diek“ (Foto: Lara Pansegrau)
Cinemare läuft noch bis Sonntag, 28.10.2018 in Kieler Kinos. Infos und Programm: www.cinemare.org