Der Newsletter zum Thema Medien in Schleswig-Holstein
herausgegeben von
Filmkultur Schleswig-Holstein e.V.



Impressum
Letztes Update:
16. Dezember 2018 - 18:01

Bernd Fiedler: Rebellisch, experimentierfreudig und seit einigen Jahren im Norden geerdet

FilmFörde #28 zeigte „Blick nach vorn und nicht zurück – die Filmbilder des Bernd Fiedler“


Den Namen Bernd Fiedler dürften einige aus den Credits z.B. von „Rote Sonne” (Rudolf Thome, 1970) oder „Rocker” (Klaus Lemke, 1971) kennen. Am 11. Oktober 2018 gab es bei der 28. Ausgabe der FilmFörde im Kulturforum Kiel Gelegenheit, ein paar frühe, kurze Filme, des Kameramanns und Regisseurs (sowie Drehbuchautoren und Produzenten) auf der Leinwand zu sehen. Darunter seine Kameraarbeit für den DFFB-Studentenfilm „Der einsame Wanderer” (1968) von Philip W. Sauber, die sich schon im Vorspann zur Hommage an den 1968 verstorbenen Carl Theodor Dreyer bekennt. Düstere, stimmungsvolle, an die schwarze Romantik gemahnende Bilder flackerten da vom Siemens 2-Band-16mm-Projektor. Fiedler brachte eine Kopie des Films und seinen eigenen Projektor mit. Ein schmuckes Stück, das er praktisch neu als Schnäppchen erworben und lediglich mal an Wim Wenders verliehen hatte, der damit aber nicht klar kam. Denn der Ton kommt hier von einem parallel laufenden Magnetband, da muss man sich ein bisschen auskennen. Der Vorführeffekt ließ auch nicht auf sich warten, die Lampe brannte durch. Doch Bernd Fiedler war vorbereitet, hatte die Ersatzlampe am Start, und nach zwei Minuten lief die Chose wieder. Chapeau!


Bernd Fiedler und der Siemens-Projektor (Foto: Helmut Schulzeck)
Vom Moderator des Abends Bernd-Günther Nahm nach seinen filmischen Vorbildern gefragt, gibt Fiedler unumwunden zu Protokoll, dass alle damals schwer unter dem Einfluss von Alain Resnais und „Letztes Jahr in Marienbad” standen. „Der einsame Wanderer” selbst fiel bei den Mitstudenten durch: Zu wenig politische Aussage. Regisseur Sauber nahm sich das zu Herzen, korrigierte sich nach extrem links, ging in den Untergrund und wurde Teil der „Bewegung 2. Juni". 1975 kam er bei einem Feuergefecht mit der Polizei ums Leben.

Bernd Fiedler flog noch 1968 von der DFFB, zusammen mit 17 Kommilitonen, darunter Harun Farocki und Hartmut Bitomsky, und ging nach München. Jahre später würde dieser „brillante Jahrgang” rehabilitiert werden. Der Rauswurf war damals eher ein Pluspunkt für die Reputation, zumindest bot Volker Schlöndorff Fiedler ein größeres Projekt an („obwohl ich eigentlich keine Ahnung hatte“), doch der machte lieber sein Ding und z.B. die Direct-Cinema-beeinflusste, hochaufgelöste High-Speed-Doku „Crash Theo” (1969) über einen jungen Münchner DJ. Fiedler immer und überall dabei, im offenen VW, im Plattenladen, auf der Tanzfläche. Er drückte Theo einfach das Mikrofon samt Kassettenrekorder in die Hand und hatte so später Synchronton. ARRI zeigte sich interessiert und produzierte später selber passende Rekorder zu seinen Kameras. In „Crash Theo” ist Fiedler im wahrsten Sinne des Wortes hautnah dran, einmal überrascht er Theo direkt beim Aufwachen im Bett neben seiner neuesten Eroberung. Ein wunderbares Stück Zeitgeschichte.


Screenshot aus „Crash Theo“
Das gilt ebenso für das kleine, spontane Portrait von Eddie Constantine in „Und da hat er diese Idee von Lemmy Caution gehabt“, das während der Dreharbeiten von Ulli Lommels und Peter Molands „Haytabo” (1971) entstand. Constantine mochte Fiedler und ließ ihn dicht ran. In dem kurzen Dokumentarfilm lernt man den ungekünstelten Schauspieler als Pausenclown und Jazz Crooner kennen.

Mit dem Sprung über 40 Jahre zu dem jüngeren, digitalen Experimentalfilm „As For Me” (2015) zeigt Fiedler insbesondere, dass seine Lust am Filmemachen und am technischen und ästhetischen Experiment ungebremst ist und er sehr gerne kollaboriert. Seinen jüngeren Filmemacher-Kollegen räumt er die verdienten Co-Creator-Credits uneitel ein. Schöner Zug.

Von Bernd-Günther Nahm auf seine Initiation als Filmemacher angesprochen, erzählte Fiedler von seinem Vater, der schon vor dem Krieg und während des Krieges auf Schmalfilm filmte. Gegen Kriegsende verbuddelte der Vater die Ausrüstung, doch machte in den späten 40er Jahren weiter. Fiedler begann, mit derselben Ausrüstung zu Filmen und besitzt auch die Filme seines Vaters heute noch. Er ist dabei, diese zu digitalisieren und Archiven zur Verfügung zu stellen, damit sie wiederum im Dokumentarfilm verwendet werden können. Da schließt sich ein Kreis für ihn: „Mein Vater war Filmamateur, aber seine Aufnahmen waren sehr professionell. Hut ab.” (dakro)


Bernd Fiedler vor der Figurengruppe „Polizei” (2015) von Julius von Bismarck in der Ausstellung „Are you satisfied? - Aktuelle Kunst und Revolution” in der Stadtgalerie Kiel (Foto: Daniel Krönke)
Links: