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8. November 2019 - 21:35

23. Filmfest SH 2019

Das Filmfest Schleswig-Holstein streckt sich

Interview mit den Festivalleitern Arne Sommer und Daniel Krönke über das 23. Filmfest SH


Das 23. Filmfest SH, veranstaltet von dem bewährten „Trio“ Filmwerkstatt Kiel der FFHSH, dem Verein Filmkultur SH e.V. und dem Kino in der Pumpe, findet vom 9. bis 11. Mai 2019 in der Kieler Pumpe statt. Jörg Meyer (Redaktionsleiter infomedia-sh) sprach mit den Festivalleitern Arne Sommer (Leiter der Filmwerkstatt Kiel der FFHSH) und Daniel Krönke (Vorstandsmitglied des Filmkultur SH e.V.) über das Festival- und neue Begleitprogramm.
  

Arne Sommer (links) und Daniel Krönke beim Interview mit dem NDR (Foto: Filmfest SH)
Das Filmfestival SH hatte sich ja in den letzten Jahren sozusagen „gesund geschrumpft“, man könnte auch sagen: „konzentriert“, indem es z.B. nicht mehr im großen Saal der Pumpe stattfindet, sondern im Kino in der Pumpe und der Räumen drum herum. Aber was heißt schon „geschrumpft“? Eine sehr erfolgreiche Erweiterung wiederum war schon in den letzten beiden Jahren die Filmkultur Lounge mit Live-Interviews mit den Filmemacher*innen direkt nach der Vorführung. Sie wird es auch dieses Jahr wieder geben. Aber ihr habt noch weiter erweitert: Im Vorfeld des Filmfests (2. bis 7. Mai) gibt es die Reihe „LUSCHERN vor dem Filmfest“ als Werbemaßnahme für das Festival in allen Kieler Kinos. Ebenfalls neu ist der Hochschultag am Nachmittag vor der offiziellen Eröffnung mit Filmen von Studierenden Kieler Hochschulen. Fangen wir mal mit letzterem an. Wie ist der Hochschultag entstanden und programmiert und was beabsichtigt ihr damit?

Arne Sommer: Der Hochschultag soll die Beschäftigung der hiesigen Hochschulen mit Film und Medien präsentieren. Die Studierenden und Lehrenden von (im ersten Jahr) FH Kiel, HS Flensburg, der CAU und der Muthesius Kunsthochschule präsentieren eigene Produktionen (und im Falle der CAU auch Kurzvorträge); wir öffnen den Hochschulen Programmfenster, die sie jeweils selbst einrichten konnten. Und am Abend des Tages findet die offizielle Eröffnung des Filmfestes statt, die gleichzeitig auch die Preisverleihung für zwei Hochschulpreise sein wird, nämlich den erstmals verliehenen „Peter K. Hertling-Preis“ der FH Kiel und dem „Nichtsilbernen Hering“ der Muthesius Kunsthochschule. Damit verbindet sich die Hoffnung, Studierende untereinander und mit der Filmcommunity in Schleswig-Holstein zu vernetzen.

Daniel Krönke: Die Vernetzung der Filmcommunity ist ein Hauptanliegen von Filmkultur SH, das wir zusammen mit der Filmwerkstatt Kiel durch regelmäßige Get-Togethers verfolgen. Mit dem Hochschultag gibt es neben dem Sommerfest der Filmbranche und dem Filmfrühstück während der Nordischen Filmtage Lübeck jetzt einen weiteren Jour-Fixe, der als Teil des Filmfests SH ideal platziert ist. Wir freuen uns sehr darüber.

Die Eröffnung ist diesmal auch neu konzipiert. Sie findet Open Air im Hof der Pumpe statt, und es gibt nicht nur Filme zu sehen, sondern auch Musik zu hören. Was habt ihr für die Eröffnung konkret geplant? Und geht das jetzt etwas mehr in Richtung „Party“?

Arne Sommer: Noch mehr als früher steht dieses Jahr der Gedanke im Mittelpunkt, Austausch zwischen den Gästen zu ermöglichen. Und ein ungewöhnliches Erlebnis mit den Mitteln zu schaffen, die wir zur Verfügung haben. Statt Berlinale Palast ist das eben der Innenhof der Pumpe, die sich da mal ganz anders präsentieren wird. Und ich bin mir sicher, dass wir einen unterhaltsamen, angenehmen, abwechslungsreichen Abend bieten werden, mit tollen Eröffnungskurzfilmen und viel Drumherum.

Daniel Krönke: Und mit der Filmkultur Lounge geht es dann an beiden Festivaltagen weiter: Dort kann das Publikum in entspannter Atmosphäre die Filmemacher*innen treffen, sich über die Filme austauschen oder bei den kurzen Interviews in den Kinopausen dabei sein. Die Interviews übertragen wir live ins Internet, um auch dort Publikum zu erreichen und in das Kino in der Pumpe zu holen. Die Interviews bleiben aber auch im Netz und sorgen so für eine gewisse Nachhaltigkeit des Festivals.

Wie man im Vorfeld hörte, ist das eigentliche Festivalprogramm diesmal ziemlich hochkarätig besetzt. Wie habt ihr ausgewählt, welche „Slots“ habt ihr wie programmiert, was sind eure Highlights?

Arne Sommer: Beim Filmfest Schleswig-Holstein stehen Filme im Mittelpunkt, die einen klaren Bezug zum nördlichsten Bundesland haben. Sei es, dass sie hier gedreht worden, hier gefördert oder von hiesigen Filmemacher*innen produziert sind. Daher kann man vorher eigentlich nie so genau sagen, was einen erwartet, wenn man mit der Sichtung beginnt. Wir passen die Slots dann eher an die Filme an als umgekehrt. Natürlich gibt es wieder einen starken Kurzfilmabend als krönenden Abschluss (Sa, 11.5.2019, 20 Uhr) – mit „Milchmänner“, dem Kurzfilm von der HS Flensburg, der gerade einen Short Tiger gewonnen hat und nach Cannes eingeladen ist. Und besonders viele starke lange Dokumentarfilme stechen hervor. Highlights gibt es wirklich viele, das geht schon mit dem künstlerisch-experimentellen Dokumentarfilm von Kai Ehlers los, „Freistaat Mittelpunkt“ (Fr, 10.5.2019, 14 Uhr), der uns in ein exotisches Leben um die Ecke (in Hohenlockstedt) führt. Oder der großartige „Der Esel hieß Geronimo“ von Bigna Tomschin und Arjun Talwar (Fr, 10.5.2019, 17:30 Uhr), der dem Zerbrechen einer Utopie in der Flensburger Förde nachgeht. Übrigens ein großer Festivalerfolg, genau wie „Barstow, California“ von Rainer Komers (Fr, 10.5.2019, 15:30 Uhr), der in ganz feinen, präzisen Bildern ein Portrait des inhaftierten Mörders und Dichters Spoon Jackson baut, ohne ihn selbst zeigen zu können.

Daniel Krönke: Mich hat „Aus einem Jahr der Nichtereignisse“ von Ann Carolin Renninger und René Frölke (Sa, 11.5.2019, 15:30 Uhr) bei seiner Premiere auf der Berlinale sehr beeindruckt. Ein ungewöhnliches, zartes Portrait eines schleswig-holsteiner Landwirtes, der seinen Hof noch in hohem Alter selbst versorgt. Und ich freue mich auf „Schönheit und Vergänglichkeit“ von Annekatrin Hendel (Fr, 10.5.2019, 20 Uhr), der auch frisch nach der Berlinale-Premiere zu uns kommt. Auch dies ein interessantes Portrait über den Berliner Techno-Club-Türsteher Sven Marquardt und seine Wurzeln in der Ost-Berliner Subkultur-Szene.

Man hat den Eindruck, dass die Zusammenarbeit der drei Veranstalter bei Planung und Veranstaltung des Festivals und Rahmenprogramms enger geworden ist, dass sich alle mehr einbringen und die Last der Vorbereitung und Veranstaltung nicht mehr im wesentlichen auf den Schultern der Filmwerkstatt Kiel liegt. Wie war die Zusammenarbeit, was hat sich da verzahnt, wie konntet ihr euch gegenseitig befruchten, wo hat es vielleicht noch gehakt?

Arne Sommer: Die Zusammenarbeit zwischen Ehrenamtlern und Hauptberuflichen ist immer schwierig, schon mal wegen der unterschiedlichen Arbeitszeiten, und das war sicher eine Herausforderung. Aber am Ende war bei allen der Wunsch vorherrschend, das Festival noch bunter, breiter und überzeugender aufzustellen. Und das hat uns zusammen getragen.

Daniel Krönke: Dem ist nichts hinzuzufügen, außer das wir ziemlich stolz auf das erarbeitete Programm sind. Jetzt hoffen wir auf den Zuspruch des Publikums.

Auch die verstärkte Zusammenarbeit mit „Filminstitutionen“ wie den Kieler Hochschulen beim Hochschultag fällt auf. Versucht ihr auch damit, das Festival auf breitere Füße zu stellen und (fast) die gesamte hiesige Filmcommunity stärker einzubinden?

Arne Sommer: Na klar! Wir haben immer versucht, alle Teile der Filmcommunity mit einzubeziehen. Und man muss das, glaube ich, jedes Jahr neu und mit neuen Ideen versuchen. Einige klappen mehr und sind sichtbarer, andere lässt man dann wieder sein und sucht sich neue. Letztlich hat auch ein Festival so eine Art Persönlichkeit, die sich weiterentwickelt, und manchmal spricht sie die einen, manchmal die anderen Strömungen der Filmcommunity mehr an. Aber am liebsten wäre mir, wenn alle Filmleute aus Schleswig-Holstein einen Teil finden, an dem sie speziell andocken können und es so auch zu ihrem Festival machen.

Daniel Krönke: Die Filmszene, also insbesondere die freien Filmemacher, sind auch eine Fokusgruppe für das Begleitprogramm LUSCHERN. Die Filmszene präsentiert sich selbst im Programm „Kurze Luschern“ im Hansa 48 und ist mit der Wiederaufführung von „Gaarden – wir geh’n als Sieger aus der Schlacht“ (1998) und der aktuellen Dokumentation „HolsteinHerz“ vertreten. Wir waren beim Kuratieren aber auch darauf bedacht, Filme auszuwählen, die der „Next Step“ für die ambitionierten Filmemacher*innen im Land sein könnten. Wir haben einen Debutfilm dabei und von der FFHSH geförderte Langfilme. Wir haben u.a. die Regisseurin Ziska Riemann, sowie den Hamburger Produzenten Stefan Schubert von Wüste Film und den Chef der Animationsfabrik Jörn Radel für Publikumsgespräche zu Gast. Da kann man also direkt nachfragen, wie man seinem Langfilmprojekt die besten Chancen verschafft, auf die Leinwand zu kommen.
Durch das Begleitprogramm haben wir natürlich auch alle Kieler Kinos in das Festival eingebunden, was von den Kinos begeistert angenommen wurde. Die Kinos kooperieren ja auch schon beispielhaft als „Kieler Woche der Kinos“. Auch das also ein Beitrag zur Vernetzung der Filmcommunity.

Letzte Frage: Wie seht ihr das Filmfest SH im Kanon der anderen schleswig-holsteinischen Filmfestivals (z.B. Nordische Filmtage Lübeck, Flensburger Kurzfilmtage, Husumer Filmtage, Norddeutsches Filmfest in Rendsburg)? Welche Rolle kann oder soll das Filmfest SH in diesem Reigen spielen?

Arne Sommer: Es ist das einzige Festival, das sich ganz klar als das Fest für die heimischen Produktionen positioniert. Und damit hat es – und das eben gerade auch nicht zufällig in der Landeshauptstadt Kiel sichtbar für Politik und andere Kultursparten – schon eine einmalige Rolle. Wer wissen will, wo der Hase Film in unserem Bundesland gerade so langläuft, der kommt nicht um das Filmfest herum.

Daniel Krönke: Word!